Psychotherapie: 5 Therapie Tipps für gesunde Menschen

[W] Jeder von uns bringt Gepäck mit sich! Sei es aus Kindheitstagen, früheren Beziehungen oder anderen prägenden Erfahrungen im Leben. Leider ist es nicht jedem möglich, eine Therapie zu machen und mit professioneller Hilfe zu reflektieren, welchen Mustern man immer wieder folgt und warum man sein Leben so lebt oder Entscheidungen trifft, wie man es eben tut. In diesem Blogbeitrag habe ich 5 wichtige therapeutische Tipps zusammengetragen, von denen ich glaube, dass sie gerade gesunde Menschen befolgen sollten, um einer psychischen Erkrankung präventiv entgegenzuwirken.

Möchtest du mehr darüber erfahren, was unsere Lebensführung prägt und welche Schutz- und Bewältigungsmechanismen oft völlig unbewusst in uns ablaufen? Dann habe ich am Ende des Beitrags einen Buchtipp für dich!

Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen!

Meine 5 wichtigsten Learnings aus der Therapie

Mit diesem Beitrag möchte ich nicht sagen, dass jeder Probleme oder irgendetwas im Rahmen einer Therapie zu lösen hat. Aber ich finde, in Therapiesitzungen lernt man nicht nur vieles über sich selbst, sondern auch einiges über zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation. Und außerdem darüber, dass die meisten psychischen Prozesse unterbewusst ablaufen und durch unsere vergangenen Erfahrungen geprägt sind. Und das ist, wie ich finde, nicht nur für psychisch erkrankte, sondern für ALLE Menschen wichtig! Hier sind meine 5 besten Ratschläge, die ich im Laufe verschiedener stationärer und ambulanter Therapien von Psychologen bekommen habe.

Therapie Tipp 1:

So ein bisschen Egoismus würde ihnen ganz gut stehen!

Ich habe schon früh viel Verantwortung tragen müssen. So ist es kein Wunder, dass sich bei mir der Glaubenssatz eingeprägt hat, ich müsse pflichtbewusst handeln, immer verfügbar sein und alle zufriedenstellen.

Doch seit ich psychisch krank bin, merke ich: Die Welt dreht sich auch weiter, wenn ich den Erdball nicht ständig anschubse! Und Fakt ist: Durch meine Depression und Panikstörung bin ich auch gar nicht in der Lage, etwas zu leisten. Daraus folgt: Wenn es mir schlecht geht und ich auf gut Deutsch gesagt nix auf die Reihe kriege, ich auch nicht für andere da sein oder meinen Verpflichtungen nachgehen kann.

Natürlich hatte ich anfangs totale Schuldgefühle und wollte auf Biegen und Brechen wieder funktionieren. Doch durch meine Therapie habe ich gelernt: In erster Linie für sich selbst zu sorgen und auf das eigene Wohlbefinden zu achten, ist gar nicht mal so egoistisch, wie es im ersten Moment klingt. Nur wenn es mir gut geht, kann ich das mit anderen teilen und für sie da sein!

Therapie Tipp 2:

Es ehrt sie ja, dass sie aus allem immer versuchen, irgendwas Gutes zu machen, aber manchmal muss man auch einfach mal die Wut fühlen, die drin steckt!

Toxic Positivity ist hier wohl der Begriff, der mein früheres Mindset am besten beschreibt. Ich hab mir lange eingeredet, dass durch positives Denken und einen starken Willen nichts unerreichbar ist. Es geht immer noch schneller, höher, besser, weiter und in jeder Niederlage steckt in erster Linie eine Lektion und etwas, an dem ich wachsen und trotzdem noch das Beste rausholen kann!

Und an dieser Theorie ist auch erst mal nichts falsch! Doch es ist ausgesprochen wichtig, auf der anderen Seite der Waage aktive Selbstfürsorge zu betreiben, im richtigen Moment Auszeiten zu nehmen und Misserfolge auch als solche zu akzeptieren und sich alle unangenehmen Gefühle zu erlauben, die damit einhergehen.

Ich habe in der Therapie gelernt, dass ich durchaus enttäuscht und traurig sein kann, wenn ich etwas nicht schaffe und dass es okay ist, wenn ich mal demotiviert bin oder mich hängen lasse, um wieder aufzutanken! Es ist nicht schwach, unangenehme Gefühle wie Wut, Trauer oder Angst zu fühlen! Es gehört dazu, denn nicht alles ist immer Friede, Freude, Sonnenschein – und darüber darf man ruhig mal ausgiebig heulen und fluchen!

Therapie Tipp 3:

Sie können andere nicht ändern! Nur sich selbst und den eigenen Umgang mit anderen!

Es gibt wahrscheinlich keine Aussage, die Therapeuten öfter von sich geben als diese! Denn was so einfach und logisch klingt, ist verdammt schwer zu leben. In meiner Therapie ist das auch immer wieder ein Thema.

Ich beharre aber auch ziemlich stur auf meiner Überzeugung, dass wir in einer schöneren und liebevolleren Welt leben könnten, wenn es mehr Menschen gäbe, die rücksichtsvoll und kooperativ auf andere zugehen und nicht für alles immer einen Vorschuss oder sofortige Gegenleistung wollen! Auch daran ist erst mal nichts falsch. Das Problem ist nur, dass ich in meiner naiven Seifenblase immer wieder der Illusion verfalle, dass das alles auch auf jeden Fall zu mir zurückkommen wird – diesmal ganz bestimmt!

Stattdessen werde ich aber meist ausgenutzt und fallen gelassen, wenn ich nichts mehr zu geben habe. Und natürlich bin ich hier in meinen Augen das Opfer und die anderen sind böse! Aber das stimmt nicht!

Indem ich fast immer in Vorleistung gehe und getrieben vom Glaubenssatz „Ich bin nicht (gut) genug!“ selten abwäge, ob es jemand gut mit mir meint oder sogar erst recht zu viel gebe, um jemanden, der mich schlecht behandelt, davon zu überzeugen, sich zu ändern, weil ich es Wert bin, ziehe ich überhaupt erst Menschen an, die mit beiden Händen nehmen und weiterziehen, sobald ich ihre Bedingungen nicht mehr erfülle.

Puh! Sorry, für den ewig langen und zigfach verschachtelten Satz. Aber genauso kam das gerade aus meinem Herzen und ich möchte das echt gern so stehen lassen!

Um ein Fazit zu ziehen: Dieser Tipp aus der Therapie besagt, dass nur bestehende Erwartungen auch enttäuscht werden können. Manchmal ist es also besser nicht den Helden zu spielen und das auch nicht von anderen zu erwarten, um seinen Seelenfrieden zu wahren!

Therapie Tipp 4:

Das ist jetzt aber wirklich viel zu verkopft!

Auch diesen Satz habe ich schon oft in der Therapie gehört. Vom Prinzip her ist er an Therapie Tipp 2 angelehnt. Es geht darum zu fühlen und zu akzeptieren. Wir neigen dazu, Probleme auf rationaler Ebene zu lösen und für alles eine möglichst logische und nachvollziehbare Erklärung zu finden. Es ist leichter, greifbarer und irgendwie auch befriedigender, ein Problem lösungsorientiert anzugehen, statt ihm erst mal auf emotionaler Ebene Raum zu geben.

Ist doch völlig klar, denn Letzteres tut scheiß weh! Und dann muss man sich von diesem Schmerz ja auch noch erholen, bevor man zur Lösung übergeht, die dann wieder Zeit und Energie kostet. Doch viele Probleme lassen sich nun mal nur so lösen!

Ich habe lange verkopft und lösungs- bzw. leistungsorientiert agiert. Das hatte zur Folge, dass es aussah, als hätte ich alles im Griff und würde alles bewältigt kriegen – sogar für mich selbst. Doch innerlich hat sich so vieles angestaut und blieb unbeachtet und unverarbeitet, dass ich letztlich psychisch krank wurde und nun schon seit 2019 nahezu jeder Tag ein Kampf gegen meine Angststörung und Depression ist.

Therapie Tipp 5:

Sie sind hier keine Therapeutin! Und selbst wenn, wäre das nicht ihre Arbeitszeit!

Last but not least: Der absolute mindblowing Therapie Tipp schlechthin. Zumindest war er das für mich. Denn meine negativen und dysfunktionalen Glaubenssätze „Ich bin nicht gut genug!“ und „Ich muss leisten und anderen nützen, um eine Daseinsberechtigung zu haben!“ haben so gut Hand in Hand gearbeitet, dass es für mich früher absolut unvorstellbar war, etwas nicht zu tun oder nicht für jemanden da zu sein, wenn ich ihm/ihr ein Bedürfnis auch nur ansehe.

Ja richtig! Jemand musste nicht mal darum bitten. Ich war einfach gleich zur Stelle, wenn ich nur vermutet hab, dass jemand Hilfe braucht.

  • Freunde haben eine neue Wohnung? Völlig selbstverständlich, dass ich das Wochenende freinehme und mit anpacke, auch wenn niemand gefragt hat, ob ich beim Umzug helfe!
  • Jemand hat sich getrennt? Ich stehe mit einer Flasche Wein vor der Tür! Man muss mich nicht bitten zu kommen.
  • Jemand weint? So schnell guckt derjenige nicht, da hab ich ihn/sie im Arm!

Bis ich bei einer stationären Therapie in einem Dreibettzimmer war und fast immer jemand eine Krise hatte oder bitterlich geweint hat, wenn ich das Zimmer betrat. Jetzt nicht falsch verstehen, das ist vollkommen nachvollziehbar. Niemand ist zum Spaß in einer psychosomatischen Klinik oder Psychiatrie. Aber natürlich war ich auch hier wieder zur Stelle. Natürlich habe ich getröstet. Natürlich habe ich mir angehört, was los ist und wollte helfen oder zumindest ein Stück der Last abnehmen. Bis ich das Zimmer – also auch meinen Safespace und meinen Rückzugsort – nur noch mit einem beklemmenden Gefühl betreten hab.

Im Einzelgespräch mit der Therapeutin bin ich dann zusammengebrochen. Es war zu viel. Ich bin doch selbst am Ende, aber wie kann ich jemanden nicht trösten und Unterstützung bieten, wenn es demjenigen so schlecht geht. Ich bin doch nicht so herzlos und laufe einfach vorbei, wenn jemand weint. Das geht einfach nicht!

Da lehnte sie sich entspannt zurück und sagte in einem ruhigen Ton, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt: „Sie sind hier aber keine Therapeutin! Und selbst wenn, wäre das nicht ihre Arbeitszeit!“

Plötzlich stellte ich mir vor, wie das wohl wäre, wenn ich Therapeutin wäre. Und was es bedeuten würde, wenn ich nicht nur aus persönlichen Gründen nicht Nein sagen und mich abgrenzen könnte, sondern es auch noch mein Beruf wäre, Menschen zuzuhören und zu helfen. Meine Aufgabe im Leben. Das, womit ich mein Geld verdiene. Die Tätigkeit, die meine Existenz, wie ich sie kenne, sichert. Und plötzlich verstand ich, wie verdammt wichtig Abgrenzung ist, um psychisch überhaupt zu überleben.

Therapie Tipps Fazit

Uff, ist das ein langer Text geworden! Eigentlich sollte das hier mehr eine Art Quick Guide werden, in dem ich dir kurz und knackig 5 Tipps aus der Therapie an die Hand gebe und je 1-2 Sätze zum besseren Verständnis schreibe und gerade sehe ich, dass ich schon über 1600 Wörter geschrieben habe! Ich glaube, beim Schreiben dieses Blogbeitrags ist mir die Fülle an Erkenntnissen noch mal ganz neu aufgefallen, die ich schon gesammelt habe.

Jetzt ist es aber höchste Zeit, zum Ende zu kommen, daher möchte ich dir abschließend nur noch Folgendes mitgeben:

Befolge diese 5 Tipps von Therapeuten und reflektiere regelmäßig deine emotionale Welt und dein psychisches Wohlbefinden! Gerade dann, wenn du gesund und glücklich bist. Möglicherweise kannst du nur so Probleme rechtzeitig angehen, Schutzfaktoren schaffen oder sogar eine psychische Krankheit wie Angststörung oder Depression abwenden.

Buchtipp zum Thema

Wie versprochen kommt hier noch der Buchtipp! Wenn du mehr über deine Prägungen und unbewusste Schutzmechanismen erfahren oder dich selbst einfach besser kennenlernen möchtest, kann ich dir das Buch von Stefanie Stahl – Das Kind in dir muss Heimat finden* ans Herz legen.

Es basiert auf dem Modell des inneren Kindes und erklärt sehr gut, wie uns vor allem kindliche Erfahrungen und Beziehungen geprägt haben und welches Verhalten im Erwachsenenalter sich dadurch entwickeln kann. Zusätzlich gibt es noch ein Arbeitsbuch* mit vielen Übungen und Reflexionsfragen, um dein inneres Kind besser kennenzulernen, dein Schattenkind zu heilen und das Sonnenkind in dir zu stärken!

Stefanie Stahl – Das Kind in dir muss Heimat finden + Arbeitsbuch

Weitere Beiträge für deine innere Mitte

Pass gut auf dein Herz auf, du hast nur das eine!

Deine Jenny

Für mehr Impulse zur mentalen Gesundheit & Selbstfürsorge folge mir auf

Ich freu mich auf dich!

Verfasst von

Jenny

Ich liebe Kaffee, Katzen und gute Musik! Ich schreibe für dich über verschiedene Lifestyle-Themen. Und zwar so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Was einzigheartig.de besonders macht, ist der Bezug auf mentale Gesundheit. Hier geht es darum, bei sich anzukommen und seinen Wert zu erkennen. Weil du und ich, wir alle, einzigheartig sind!