Angststörung, Depression & Co. - So kannst du psychisch Erkrankte unterstützen

So kannst du psychisch Erkrankte unterstützen

[W] Wie kann man eine psychisch erkrankte Person bestmöglich unterstützen? Für viele ist es nicht leicht, einen Umgang mit psychisch kranken Menschen zu finden. Menschen, die unter Ängsten, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, fühlen sich auf der anderen Seite oft missverstanden und nicht ernst genommen. Das macht es schwierig, sich anderen zu öffnen und Hilfe anzunehmen. Die Hemmschwellen erzeugt zum einen die Tatsache, dass es für gesunde Menschen nur schwer nachvollziehbar ist, wie sich eine psychisch belastete Person fühlt. Zum anderen werden psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft stigmatisiert und sind mit vielen Vorurteilen behaftet.

Ich bin selbst psychisch erkrankt und kenne das Gefühl gut, wenn mein Umfeld mit wenig Verständnis auf die Einschränkungen meiner oft unsichtbaren Krankheit reagiert. Deshalb möchte ich dir heute einige Tipps an die Hand geben, die dir hoffentlich helfen, psychisch Erkrankte besser zu verstehen und zu unterstützen.

Psychisch Erkrankten zuhören

Höre zu, aber halte dich mit Ratschlägen zurück! Wir kennen die meisten davon, haben sie meist bereits ausprobiert und reagieren nach dem 100. Mal etwas gereizt auf Worte wie “Du musst einfach…” oder “Probier doch endlich mal…”. Oft hilft es uns am meisten, einfach nur angenommen zu werden!

Psychisch Erkrankten Hilfe anbieten

Biete aktiv deine Hilfe an, sei dabei aber geduldig und dränge uns nicht! Wir brauchen sie, auch wenn wir sie nicht immer annehmen wollen oder können.

Aktiv bedeutet außerdem:

Was kann ich für dich einkaufen?”
Wobei kann ich dich unterstützen?”
“Ich komme morgen vorbei, damit wir zusammen…!”

Vermeide unpräzise Sätze wie “Melde dich, wenn du was brauchst!“. Wir fühlen uns oft wie eine Last und haben starke Schuldgefühle und Selbstzweifel, wenn wir alltägliche Dinge nicht selbst schaffen. Die Hürde, dich in einem schwachen Moment anzurufen, ist zu groß!

Psychisch Erkrankten eine Freude machen

Bring doch mal unsere Lieblingssüßigkeit, ein Strauß Blumen oder eine gut duftende Bodylotion mit. Wir gönnen uns so etwas zu selten selbst in der Annahme, es nicht zu verdienen. Oft haben wir auch wegen mangelndem Antrieb oder Panikattacken Probleme, selbst raus zu gehen und uns etwas zu besorgen. Hab ein Auge auf uns, wir werden in den seltensten Fällen selbst sagen, wenn wir uns etwas wünschen.

Psychisch Erkrankte trösten

Es ist psychisch, emotional und körperlich wirklich anstrengend, sich durch den Tag zu kämpfen. Unsere Gedanken, das Nervensystem und die Muskulatur sind permanent aktiv. Sogar nachts, wenn wir schlafen. Deswegen sind wir auch immer so erschöpft und kraftlos. Ermutige psychisch erkrankte Menschen mit Sätzen wie

“Es ist toll, wie du dich Tag für Tag durchkämpfst. Das zeugt von Stärke!!”
“Es ist nicht deine Schuld, du bist krank!”
“Es ist OK, wenns heute nicht geht!”
“Du hast es versucht, das war sehr mutig!”

Psychisch Erkrankte ablenken

Manchmal ist es nicht möglich oder sogar kontraproduktiv, sich mit den aktuellen Problemen zu befassen. Ein paar schöne Momente und etwas Ablenkung tun uns zwischendurch ganz gut. Richte dich dabei aber nach UNSEREN Möglichkeiten und versuche uns nicht zum positiv denken oder aus dem Haus zu zwingen, weil es uns in deinen Augen guttun würde.

Sei bitte auch nicht enttäuscht, wenn wir uns nicht (immer) darauf einlassen können oder dabei keine Freude empfinden. Auch für uns ist es sehr schwer zu akzeptieren, dass wir für so viele Dinge keine Begeisterung aufbringen können. Dazu gehören selbst Dinge, die wir früher richtig gern gemacht haben.

Über psychische Erkrankungen informieren



Mach dich schlau über unsere psychische Erkrankung und versuche zu verstehen, was sie mit uns macht! Das kann dir helfen, den Leidensdruck, manche Veränderungen oder Reaktionen nachzuvollziehen und dabei mit deinen eigenen Emotionen wie Wut, Angst, Trauer etc. umzugehen.

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In diesem Beitrag erfährst du mehr darüber, warum psychisch erkrankte Menschen mehr als nur traurig sind, was während einer psychischen Erkrankung mit den Botenstoffen im Gehirn passiert und warum wir belastende Gedanken nicht einfach loslassen können.

»zum Beitrag Dysfunktionale Gedanken bei psychischen Erkrankungen

Egal zu welchen bahnbrechenden Erkenntnissen du kommst, halte dich wieder mit Ratschlägen zurück! Wenn du denkst, uns mit einer Info oder Tipp helfen zu können, frage einfühlsam nach, ob wir das schon wissen bzw. ob wir uns in der Verfassung fühlen, etwas Neues zu probieren.

Auf diese Sätze sind psychisch Erkrankte allergisch

Vermeide hingegen unbedingt diese Sätze gegenüber psychisch erkrankten Menschen! Auch wenn manche davon gut gemeint sind! Wir hören sie ständig und fühlen uns durch sie mit unseren Beschwerden nicht ernst genommen! Das setzt uns wahnsinnig unter Druck und erzeugt noch mehr Unsicherheiten!

  1. So schlimm ist das auch wieder nicht!
  2. Du musst dich einfach nur entspannen!
  3. Sei nicht so sensibel/dramatisch!
  4. Davor musst du doch keine Angst haben!
  5. Du hast aber auch immer irgendwas!
  6. Dir fehlt es an nichts! Sei nicht so undankbar!
  7. Anderen geht es viel schlechter!
  8. Du musst endlich mal loslassen!
  9. Jetzt reiß dich doch mal zusammen!
  10. Hör doch mal auf, alles zu zerdenken!

Wir wissen, dass wir uns in einem Zustand irrationaler Ängste, nicht hilfreicher Gedanken und (selbst)schädigender Verhaltensmuster befinden!

Es ist eine Krankheit, die wir nur mit Geduld, Mitgefühl und (professioneller) Unterstützung besiegen können!

Wir können nicht entscheiden, dass wir einfach nicht mehr psychisch krank sind.

Aber du kannst entscheiden, ob du unser Komplize auf der Flucht aus diesem Teufelskreis sein möchtest!

Pass gut auf dein Herz auf, du hast nur das eine! Deine Jenny
 

Für tägliche Inspiration zur mentalen Gesundheit & Selbstfürsorge folge mir auf

Ich freu mich auf dich!

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