Psychosomatische Beschwerden – Alles nur Einbildung?

Psychosomatische Beschwerden – Alles nur Einbildung?

[W] Psychosomatische Beschwerden – was ist das eigentlich? Wie entstehen Schmerzen, die von der Psyche ausgehen und keine körperliche Ursache haben? Und wenn es von der Psyche kommt, sind die Schmerzen gar nicht echt, sondern nur eingebildet? Wie um psychische Erkrankungen ranken auch um psychosomatische Beschwerden viele Vorurteile und Stigmata. Lies in diesem Artikel, wie psychosomatischer Schmerz entsteht, worin er sich von organisch (körperlich) bedingten Symptomen unterscheidet und warum Betroffene so schwer gegen psychosomatische Beschwerden ankommen!

Content Warnung

Der folgende Text enthält Schilderungen von psychischen Erkrankungen, Symptomen und/oder negativen Gefühlen und könnte dich als Betroffene/r triggern.

Meine Tipps und Erklärungen beruhen auf eigenen Erfahrungen, dem Austausch mit anderen psychisch Erkrankten sowie Recherche. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnostik, psychologische Beratung oder therapeutische Behandlung!

Halte im Zweifel immer Rücksprache mit deinem Arzt oder Therapeuten.

Was sind psychosomatische Beschwerden?

Der Begriff Psychosomatik kommt aus dem Altgriechischen: psyché = Atem / Seele, soma = Körper

Die Psychosomatik befasst sich demnach mit seelischen Einflüssen auf körperliche Vorgänge.

Psychosomatische Beschwerden oder Somatisierungsstörungen sind körperliche Beschwerden ohne organische Ursache. Sie entstehen aus einer psychischen Belastung, der inneren Anspannung oder sehr starker Angst heraus.

Also alles nur Einbildung? Nein! Die Schmerzen und andere psychosomatische Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Brustenge etc. sind echt und fühlen sich genauso an wie solche körperlichen Ursprungs. Das liegt daran, dass es dieselben Schmerzen sind! Denn das Signal für Schmerz geht immer vom Gehirn aus und wird über das Rückenmark an den entsprechenden Bereich des Körpers gesendet! Nämlich so:

So entsteht „normaler“ organischer Schmerz

*vereinfacht dargestellt

Beispiel: Nehmen wir an, du stößt dir den Zeh.

Wenn du dir normalerweise wehtust, wird das vom Gehirn registriert, verarbeitet und bewertet. Eine entsprechende Anweisung wird über das Rückenmark an den betroffenen Körperteil gesendet, in diesem Fall der Fuß bzw. Zeh. Dieser reagiert mit Schmerz.

So entstehen psychosomatische Beschwerden

*vereinfacht dargestellt

In diesem Beispiel entfällt das Zehanstoßen. Dennoch tut dein Fuß/Zeh höllisch weh. Das Rückenmark ist eine Art Informationsautobahn und schleust alle Informationen durch, die es vom Gehirn bekommt. Dabei hinterfragt es nicht, ob sich der Zeh wirklich gestoßen hat, sondern gibt nur das entsprechende Signal weiter.

Organische und psychosomatische Schmerzen – Wo ist der Unterschied?



*vereinfacht dargestellt

Der Unterschied besteht darin, dass der organische bzw. körperliche Reiz fehlt. Da das Rückenmark jedoch das gleiche Signal bekommt und die entsprechende Anweisung weiterleitet, kann genau der gleiche Schmerz entstehen, als hättest du dir wirklich den Zeh gestoßen.

Dein Gehirn kennt dich gut!

… und weiß genau, was dich lahmlegt! Wenn beispielsweise das Angstzentrum überaktiv ist (z. B. bei Angststörungen) sendet das Gehirn fehlerhafte Alarmsignale wie Schmerzen, die dich glauben lassen, du wärst ernsthaft krank oder sogar in Lebensgefahr. Die Gründe hierfür sind vielfältig und oft nicht zu 100 % auf eine einzelne Ursache zurückzuführen.

Soweit ich bisher ergründen konnte, möchte mich meine Panikstörung z. B. vom Funktionieren abhalten. Ich habe sehr lange über meine Kraft hinaus sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld funktioniert und dabei sämtliche körperlichen Alarmsignale sowie mein Ruhebedürfnis ignoriert. Aktuell sieht das so aus: Wann immer ich eine noch so kleine Leistungsanforderung verspüre, schaltet mein System in den Panikmodus. Aus der unterbewussten, irrationalen Angst heraus, mich wieder zu überfordern, geht halt dann einfach gar nichts mehr.

Und da bei Fußschmerzen die wenigsten Menschen in Todesangst geraten, schickt dein Gehirn Signale für Schwäche, Ohnmacht, Atemnot oder sogar einen Herzinfarkt oder Schlaganfall!

Dabei weiß dein Gehirn genau, ob du dich eher vor Schmerzen in der Brust, Schwindelattacken oder starkem Druckkopfschmerz fürchtest und variiert die psychosomatischen Beschwerden gerne, sobald dich die üblichen Symptome nicht mehr ängstigen.

Wichtig: Nichts davon ist eingebildet! Psychosomatische Symptome entstehen auch nicht nur im Rahmen einer Panikattacke, sondern können sich in weniger intensiven, lang anhaltenden oder gar chronischen Schmerzen oder anderen Beschwerden äußern. Typische Beispiele für psychosomatische Beschwerden sind

  • Magen-Darm-Probleme
  • muskuläre Beschwerden
  • starke Kopfschmerzen bis hin zur Migräne
  • (Gelenk-)Blockaden
  • Atembeschwerden
  • Hautreaktionen
  • Allergiesymptome
  • Nervenschmerzen
  • Sehstörungen
  • hoher Blutdruck

Das Klischee: Warum psychisch Kranke im Bett bleiben

Auch wenn die Symptome nicht gefährlich sind, sind sie real und fühlen sich gerade während eine Panikattacke genauso an wie z. B. ein echter Herzinfarkt oder echte Atemnot! Betroffene entwickeln massive Ängste, die sich chronifizieren können und zu starken Einschränkungen im Alltag führen. Die Angst vor der Angst (auch: Erwartungsangst) kann dabei so groß werden, dass psychisch Erkrankte in ein extremes Vermeidungsverhalten fallen und schlimmstenfalls nicht mehr aus dem Haus oder sogar aus dem Bett kommen.

Dazu steigt die körperliche Anspannung, die mit dem Aushalten und Bewältigen psychosomatischer Beschwerden einhergeht. Das raubt unglaublich viel Energie! So ein Tag im Bett kann unter Umständen körperlich und mental anstrengender sein als eine ganze Arbeitswoche.

Auch der Schlaf ist mit einer psychischen Erkrankung wie Depression, Angst- oder Traumafolgestörung wenig erholsam. Da das Gehirn im Schlaf sehr aktiv ist und unsere Gedanken und Eindrücke verarbeitet, kann die körperliche Anspannung auch nachts, wo sich der Körper normalerweise erholt, extrem ansteigen.

Ich kann mich an viele nicht so gute Morgen erinnern. Nicht selten wache ich mit Muskelkater auf, bin völlig erledigt und schaffe es kaum, meinen Kopf hochzuheben. Diese extreme Erschöpfung geht sogar so weit, dass ich an manchen Tagen das Gefühl habe, ich hätte die Grippe. Durch die unruhige Atmung kratzt mein Hals, die körperlichen Symptome fühlen sich an wie Gliederschmerzen und ich bin völlig schlapp. Habe manchmal sogar das Gefühl, Fieber zu bekommen.

Und was macht jeder normale Mensch, der sich nach dem Aufstehen so fühlt? Richtig! Er bleibt im Bett! Womit das Vorurteil der Faulheit bei psychisch Kranken mehr als widerlegt wäre!

»Mehr über den Start in den Tag mit psychischen Erkrankungen

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Pass gut auf dein Herz auf, du hast nur das eine! Deine Jenny
 

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