Selbstfürsorge mal anders - Selfcare im Alltag

Selbstfürsorge mal anders – Selfcare im Alltag

[W] Selbstfürsorge und Achtsamkeit sind gerade in aller Munde! Dabei verwechseln viele Selbstfürsorge mit Selbstoptimierung und Kompensation. Mach Yoga, ernähre dich vegan, kauf dir XY, gönn dir einen Wellnesstrip, kurz gesagt: Lebe wie ein Influencer, konsumiere und habe nichts anderes mehr zu tun! Selbstfürsorge hat aber im Grunde nichts mit Dingen zu tun, die nach außen gut aussehen. Selbstfürsorge beginnt mit deinem Mindset und geht in erster Linie nach innen! Selbstliebe ist der Schlüssel! Um echte Selbstfürsorge zu leben, musst du ein ehrliches und tiefes Bedürfnis entwickeln, gut für dich selbst zu sorgen. Und das geht nur, indem du dich selbst liebst und von Herzen davon überzeugt bist, dass du es verdient hast, gut für dich zu sorgen!

Falls du es noch nicht getan hast, lies zunächst den Artikel Selbstfürsorge lernen durch Selbstliebe. Dort erkläre ich, wie du die Basis für echte Selbstfürsorge legst. Am Ende des Beitrags ist dann dieser Artikel mit konkreten Selbstfürsorge Tipps zur Umsetzung verlinkt.

Hier geht es weiter mit Selbstfürsorge Tipps, die nichts mit Yoga und Wellness zu tun haben!

8 Tipps für echte & gelebte Selbstfürsorge

1. Wechsle mal die Frequenz!

Hörst du immer noch den ganzen Tag Bullshit FM?

Und jetzt die Meldungen des Tages:

„Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse: Niemand liebt dich, weil du einfach sch§%$e bist!“

„Ganz Deutschland hält den Atem an: Wird heute der Tag sein, an dem alle rausfinden, dass du ein Hochstapler bist und gar nichts kannst?“

„Experten warnen: Wenn du tatsächlich der Meinung bist, dass du deine Ziele erreichen kannst, bist du dümmer als bisher vermutet!“

Erstens ist die Hälfte von dem, was wir uns den ganzen Tag einreden, Fake News und zweitens wird es immer Dinge geben, die du nicht kannst und die du nicht an dir magst. Das ist aber kein Grund, dich selbst den ganzen lieben Tag lang zu kritisieren und zu sabotieren!

Selbstfürsorge sieht so aus

Wechsel den Radiosender und höre die Musik, die aus deinem Inneren kommt! Sie ist wunderschön! Statt deine Energie darauf zu verschwenden, dich selbst zu quälen, nutze sie, um herauszufinden, wo deine Stärken liegen! Und dann feiere sie und folge ihrem Ruf! Höre DEINE Musik!

2. Einen Scheiß MUSS ich!

Wie oft sagst du am Tag „Ich MUSS…“? Worte und Gedanken sind mächtig! Wenn du immer wieder denkst und sagst „Ich MUSS dies, ich MUSS das, ich MUSS jenes, SONST…!“, fühlst du dich automatisch, als würdest du alles nur noch abarbeiten und von A nach B rennen wie eine Ameise. Das stresst! Vor allem, wenn du dich ständig mit den Konsequenzen konfrontierst, die in der Praxis entweder gar nicht eintreten oder nicht in dem dramatischen Ausmaß, das wir uns gerne mal ausmalen.

Frage dich jedes Mal, wenn du denkst „Ich MUSS…“

  • Was passiert, wenn ich es nicht tue?
  • Ist die Konsequenz wirklich so schlimm?
  • Welche Alternativen gibt es?

Beispiel:

„Ich muss einkaufen gehen, sonst gibt es heute nichts zu essen!“

Ja, nichts zu essen ist schlimm, aber kommst du wirklich an nichts Essbares, wenn du nicht einkaufst? Was sind die Alternativen?

  • unterwegs etwas mitnehmen
  • beim Lieferdienst bestellen
  • was Tolles aus Resten zaubern
  • etwas, das vielleicht noch in der Tiefkühltruhe ist in den Ofen schmeißen
  • jemanden bitten, etwas für dich einzukaufen
  • bei Freunden/Familie essen
  • usw.

Wie du siehst, MUSST du nicht einkaufen.

So klingt Selbstfürsorge

Ersetze „Ich muss…“ durch „Ich kann…“, „Ich darf…“ oder „Ich möchte…“!

„Ich kann heute einkaufen gehen, dann gebe ich nicht so viel Geld für den Lieferdienst/Takeaway aus!“

„Damit ich mein/unser Lieblingsgericht kochen kann, möchte ich heute einkaufen!“

„Ich darf im Supermarkt Markenprodukte mitnehmen, die ich so gerne mag, weil ich am Lieferdienst gespart habe!“

3. Grenzen DURCHsetzen

Grenzen setzen und Nein sagen ist ja ’ne tolle Sache in der Selbstfürsorge. Nicht so toll ist, dass Menschen, denen du Grenzen erst aufzeigen musst, sie oft trotzdem nicht respektieren.

Radikale Selbstfürsorge

Steh für dich ein! Lass dir keine Schuldgefühle einreden! Distanziere dich, wenn deine Grenzen nicht geachtet werden. Und wenn es sein muss, entferne entsprechende Personen komplett aus deinem Leben! Das ist hart, aber manche Menschen werden sich nie ändern! Egal wie nahe sie dir stehen und egal, wie sehr du es dir wünschst, weil du sie über alles liebst! Liebe DICH mehr! Dann wirst du Menschen anziehen, die deine Grenzen ganz automatisch wahrnehmen und respektieren.

4. Nicht positiv denken

Bei mir gibt es 3 Sätze, auf die ich absolut allergisch bin! Einer davon ist „Du musst einfach positiv denken!“. 🤬 Aber manchmal ist mir nicht nach positiv denken! Ich finde es außerdem wichtig, Gefühle wie Schmerz, Trauer oder Wut zu fühlen und sie zuzulassen, um sie loszulassen. Alles andere ist in meinen Augen Verdrängung!

Ähnlich wie bei Bullshit FM tut es uns aber natürlich nicht gut, zu lange auf dieser Frequenz zu verweilen. Wenn du merkst, dass du im Grübelkreislauf oder Negativspirale steckst, versuche Folgendes:

Selbstfürsorge To Do

Heute ist alles blöd! Deine heutige Selbstfürsorge besteht darin, alles zu kritisieren! Du bist wütend und wirst heute daher an allem rummeckern, das dir vor die hübschen Äuglein tritt. Und ich meine an ALLEM!!!!

  • Dieser blöde Postbote hat schon wieder die Zeitung beim Reinstopfen in den Briefkasten zerrissen!
  • Sag mal Nachbar, hast du da oben ’ne Bowlingbahn?
  • Toll Schatz! Klopapierrollen wechseln sich von selbst, wie jeder weiß!

Aber auch:

  • F&%k, ich seh heute voll gut aus und hab keine Augenringe, das passt so überhaupt nicht zu meiner miesen Stimmung!
  • Ernsthaft Katze?! Du legst dich da jetzt wirklich hin und räkelst dich total süß? Toll, jetzt hast du blödes Vieh mich auch noch zum Lächeln gebracht, ooohhh Mannnnn!!!!
  • Na klasse, die Sonne scheint. Wenn ich jetzt rausgehe, werde ich ja weder zittern noch patschnass!!! So hab ich mir den Tag nun echt nicht vorgestellt!

Schreib mir gerne auf Instagram oder hier in die Kommentare, wie lange du ohne Lachanfall durchhältst! 😁

5. Einfach mal nicht krank sein



Dieser Tipp richtet sich jetzt speziell an die psychisch Erkrankten unter uns. Hast du das auch satt: Vorurteile, Beschuldigungen und Stigmatisierung satt à la „Du bist gar nicht krank, sondern nur faul!“ oder „Hör mal auf, einen auf Opfer zu machen!“ (Der zweite Satz, auf den ich allergisch bin! 🤬)

Und wie oft quälst du dich mit Dingen, die andere gesagt haben und dem was sie (wohl) über dich denken? Wie oft fehlt dir dadurch die Energie, um etwas Schönes zu unternehmen? Wie oft gehst du kein Eis essen, aus Angst gesehen zu werden und dann erst recht als „nicht wirklich krank“ abgestempelt zu werden?

Deine heutige Selbstfürsorge

Heute bist du mal „nicht krank“! Die Sonne scheint? Super! Geh in den Park, hol dir ein Eis, triff dich draußen mit jemandem zum Yoga! Und wenn du richtig gut drauf bist, dann mach ein Foto und poste es auf Facebook oder Instagram!

Genau 2 Dinge werden passieren:

  1. Du machst den Menschen, denen du wichtig bist, eine riesen Freude, indem du etwas Schönes für dich tust!
  2. Die Menschen, die dich als Lügner bezeichnen und einer Depression oder Angststörung den Krankheitsstatus aberkennen, werden das auch weiterhin tun!

6. Mach eine „Not To Do“-Liste

Oft tun wir Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns nicht guttun, ganz automatisch. Das liegt daran, dass unser System gern in Mustern arbeitet und es gefühlt viel anstrengender wäre, etwas anders zu machen, auch wenn wir wissen, dass es uns dann besser gehen würde.

Ein typisches Beispiel ist, wenn wir uns nicht zum Sport aufraffen können, aber hinterher total happy sind, wenn wir es doch getan haben. Das Blöde daran: Nächstes Mal können wir uns wieder nicht aufraffen. Das geht so lange, bis wir ein neues Muster integrieren. Und ab da an tun wir uns schwer, es nicht mehr zu tun.

Das funktioniert auch mit anderen Dingen. Identifiziere deine Stressoren und Dinge, die dir nachhaltig schaden.

  • Den ganzen Tag am Smartphone hängen.
  • Bei Mama wieder zu viel/ungesund essen.
  • Dich schon morgens von Social Media reizüberfluten lassen.
  • Am Wochenende zu viel Alkohol trinken.
  • Einen sonnigen Tag wegen Netflix & Co. versäumen.
  • Diesem Typ/Mädel schreiben, der/die sich nie von selbst meldet.

Selbstfürsorge im Alltag integrieren

Was möchtest du heute NICHT tun? Mach es zum Tagesordnungspunkt und hake es abends ab, wenn es erledigt ist! Mach das regelmäßig, um destruktive Muster aufzulösen. Dafür schreibst du deine „Not To Dos“ am besten irgendwohin, wo du oft hinschaust (z. B. Kalender, Journal…) oder du verteilst gleich mal überall Post-its mit „Kein Social Media bis 12 Uhr!“ oder „Melde dich nicht bei ihm/ihr!“

7. Dein Nein nicht begründen

Kennst du das Kopierer-Experiment von Harvard-Psychologin Ellen Langer? Hierbei sollte sich eine Person in der Schlange am Kopierer vordrängeln. Dabei nutzte die Person 3 verschiedene Fragen: eine mit nachvollziehbarer Begründung, eine mit sinnloser Begründung und eine ohne Begründung.

  • 94% ließen die Testperson mit einem nachvollziehbaren Grund vor: „Ich habe 5 Seiten, darf ich die bitte kopieren, weil ich es eilig habe?“
  • 93% (!!!) ließen die Testperson mit der Begründung „Ich habe 5 Seiten, darf ich die bitte kopieren, weil ich kopieren muss?“ vor.
  • Immerhin mehr als die Hälfte, nämlich 60%, überließen den Vortritt komplett ohne Begründung. Es wird vermutet, dass die Entscheidungen aufgrund von Sympathie fielen.

Daraus lassen sich 2 Erkenntnisse ableiten:

  1. Mehr als die Hälfe der Menschen entscheiden ohne nachvollziehbaren Grund, ob sie deinem Anliegen nachkommen.
  2. Das Wörtchen „weil“ scheint den Unterschied zu machen. Und dabei ist egal, ob dein Grund nachvollziehbar ist oder nicht.

So geht Selbstfürsorge

Statt JA zu sagen, weil dir kein guter Grund einfällt oder dir einen möglichst überzeugenden Grund zu überlegen (vielleicht auch, um dir dein Nein selbst zu erlauben) sag doch einfach mal:

NEIN, weil ich das nicht möchte!

8. Deine „schlechteste“ Version lieben

Warum ich das mit Gänsefüßchen schreibe? Weil niemand das Recht hat, zu entscheiden, was gut und was schlecht für dich oder an dir ist!

Es ist OK, wenn du

  • dich nicht vegan ernährst.
  • gerade eine Jogginghose mit Loch im Schritt trägst.
  • heute keine Energie hast, was zu reißen.
  • statt der neuesten Trend Yoga Pose deine Tiefkühlpizza auf Instagram postest.
  • wenn du die Pizza zum Frühstück hattest.
  • heute um 13 Uhr gefrühstückt hast.

Klar solltest du das nicht unbedingt täglich tun. Aber manchmal sind wir einfach kraftlos, schlampig, unmotiviert, mental ausgelaugt, undiszipliniert… und das alles ist OK!

Niemand ist perfekt und rund um die Uhr total diszipliniert, motiviert und positiv. Wenn du Leuten auf sozialen Netzwerken folgst, bei denen das so aussieht, dann bitte entfolge ihnen! Es ist eine Scheinwelt und du siehst nur das, was diese Menschen dir zeigen!

Mal abgesehen davon verdienen inzwischen ziemlich viele Menschen Geld damit und wollen, dass du es ihnen gleichtust und die veganen Proteinriegel oder stylishen Yoga Outfits nachkaufst, mit denen sie sich zeigen.

Du weißt nicht, ob sie, nachdem die Story abgedreht ist, auch eine Jogginghose mit Loch im Schritt anziehen und um 13 Uhr die gleiche Tiefkühlpizza wie du zum Frühstück essen!

So lebst du Selbstfürsorge

Fokussiere dich auf deine Stärken, aber stehe auch zu deinen Schwächen! Selbstliebe und Selbstfürsorge bedeutet, auch an schlechten Tagen liebevoll mit dir zu sein. Gibt täglich dein Bestes. Und wenn dein Bestes und DAS BESTE FÜR DICH heute die Pizza und Jogginghose mit Loch im Schritt ist, dann mach genau das!

Pass gut auf dein Herz auf, du hast nur das eine! Deine Jenny
 

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Ich freu mich auf dich!



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